Zunächst zum vorliegenden Gegenstand, die Patentschrift Nr. 139432 der Klasse 30e, ausgestellt vom kaiserlichen Patentamt und gedruckt in der Reichsdruckerei Berlin. Das Dokument setzt sich aus mehreren zusammengefügten Blättern zusammen (vgl. Abb.1.1 und Abb.1.2) und gliedert sich in ein Titelblatt mit Kopfdaten, einen Beschreibungstext mit abschließendem Patentanspruch (vgl. Abb. 2.1) sowie ein separates Blatt mit technischen Zeichnungen (vgl. Abb. 2.2). Innerhalb des Beschreibungstextes wird bereits durch Bezugszeichen auf die entsprechenden Bauteile in den Zeichnungen verwiesen, wodurch eine enge inhaltliche Verknüpfung zwischen Text und grafischer Darstellung hergestellt wird. Die Kopfdaten sind formal klar strukturiert: Zentral im oberen Bereich befindet sich ein Reichsadler, umrahmt von der Aufschrift „Kaiserliches Patentamt“. Darunter folgen die Angaben zur Patentschrift-Nummer, zur Klasse bzw. Gruppe, zum Patentinhaber, einschließlich Wohnort, eine kurze Bezeichnung der Erfindung sowie das Ausgabedatum.
Inhaltlich betrifft die Erfindung von Dr. Gustav Kolbe und Gerhard Schneider ein zusammenlegbares Gestell zur Aufnahme von vier Tragbahren, das insbesondere für den Einsatz im militärischen Sanitätsdienst konzipiert ist. Das Gestell besteht im Wesentlichen aus zwei Stirnständern und einem mittleren Längssteg (vgl. Abb. 2.1). Besondere Bedeutung wird der Konstruktion im Erläuterungstext im Hinblick auf ihre schnelle Zerlegbarkeit und einfache Wiederaufbaubarkeit beigemessen, sowie der Stabilität im montierten Zustand. Die Tragebahren werden zudem federnd in die verstellbaren Lager gehangen, um Transportbewegungen und Erschütterungen zu minimieren.
Im Protokollbuch werden die Bemühungen um das Patent sowie deren Fortschritt erstmals am 9. November 1902 erwähnt:
„Anwesend Herr Dr. Kolbe und 13 Mann
Punk I Bericht von Herrn Dr. Kolbe über den Stand des Patentes …"1
Weiterführende Informationen oder detaillierte Angaben zum Entwicklungsstand sowie zu den Entscheidungen, die letztlich zur Beantragung des Patents führten, lassen sich bedauerlicherweise nicht rekonstruieren. Eine erneute Erwähnung findet das Patent im Jahresbericht von 1902, in dem es bereits als im Besitz der Kolonne befindlich aufgeführt wird:
„Ausrüstung und Bekleidung
die Kolonne besitzt 2 zerlegbare Krankenlagerungssysteme (eigene Erfindung, Deutsches Reichspatent Nr. 139 432), 4 Tragebahren, 1 Krankentransportwagen, Verbandkasten mit Übungsmaterial …"2
Im Jahr 1904 wurde schließlich beschlossen, das Patent aufgrund der hohen Kosten nicht weiterzuführen:
„Anwesend wahren Herr Dr. Kolbe und 15 Mann
Da wichtige geschäftliche Sachen zu Grunde lagen, wurden selbige erst erledigt. I. Patent-Krankenlagerungs-System. Auf Anfrage des kaiserlichen Patentamtes zur Weiterführung unseres Patentes, wurde beschlossen, selbiges durch die großen Unkosten nicht mehr weiterzuführen. Die Unkosten betragen 110 Mark."3
1Protokollbuch, S.32, Eintrag vom 9.11.1902
2Protokollbuch, S.33, Eintrag Jahresbericht 1902
3Protokollbuch, S.36, Eintrag vom 2.02.1904.
Der Inhalt des Patentes an sich findet stattdessen, häufig Erwähnung: z.B. in dem folgenden Eintrag zu der Übung in Kreuznach, sowie auf der in einen eigenen Beitrag beschriebene Übungsfahrt nach Koblenz.
Übung in Kreuznach
Am 13. Juli fand in Kreuznach eine große gemeinsame Übung der Sanitätskolonnen des ganzen Regierungsbezirkes Koblenz statt. Die Betzdorfer Sanitätskolonne war vertreten durch Herrn Dr. Kolbe, welcher erboten hatte, noch ein Vorstandsmitglied auf seine Kosten mitzunehmen. Es wurde Schriftführer Held hierfür gewählt. Die Übung war von herrlichstem Wetter begünstigt und ist unter großer Beteiligung der Bevölkerung verlaufen. […]
Nach der Sitzung fand ein gemeinsames Festessen in der Heilquelle statt. Um 2 Uhr setzte sich ein Zug von mehr als 850 Sanitäter zum Abmarsch auf die Pfingstwiese zusammen. Auf der Pfingstwiese angekommen nahmen die stattliche Zahl von 20 Kolonnen zwei Reihen Aufstellung. […] Bald verteilten sich Träger mit ihren über 50 Tragen auf das ausgedehnte Schlachtfeld. Die Besichtigenden überzeugten sich eingehend von der Versorgung der Verletzungen und der Lagerung auf den Tragmittel wobei Herr Oberstabsarzt Dr. Hünermann den einzelnen Mannschaften scharf auf den Zahn fühlte. So dann wurde die Verladung auf Möbelwagen zu Leiterwagen und zu Motore durchgeführt […] und die Ausschiffung in Augenschein genommen. Zwischendurch kommen die zerlegbaren Krankentragen der Kolonne Mülheim in ihrer Verwendung zum Krankentransport und Aufbau eines Zeltes zu Vorstellung. Auf dem Güterbahnhofe war unterdessen ein Hilfslazarettzug zur Aufnahme der beladenen Tragen vorbereitet worden. Zehn Güterwagen unter Leitung des Professors Hohl Kreuznach nach 12 verschiedene Systemen eingerichtet, worunter auch das Gestell der Betzdorfer Kolonne war. Der Deutsche Kolonnenführer schreibt in N 11, wohl allen bisher erdachten fertigen Noteinrichtungen war hier Raum gegeben. Besonders die von der Kriegersanitätskolonne Betzdorf erfundene Lagerungsvorrichtung fand wegen ihrer sinnvollen Einrichtung, ihrer Handlichkeit, vielfachen Verwendbarkeit u ihres gefälligen Aussehens ungeteilten Beifall. Zum Schluss hielt, von Roten Kreuz beauftragt, Oberstabsarzt Dr. Hünermann eine Rede.[…]
Die Arbeit an diesem Projekt, insbesondere das Durchforsten unserer eigener Vergangenheit anhand verschiedenster Zeitzeugnisse und Quellen, haben wir als äußerst spannend und bereichernd empfunden. Diese Sammlung liegt uns sehr am Herzen und soll auch künftig weiter ausgebaut werden.
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